Der Preis ist heiß – oder auch die Mutter aller Fragen: „Was kostet es?“

Die Frage nach dem Preis ist eine der meist gestellten Fragen überhaupt. Leider lässt sich diese meist nicht pauschal beantworten. Ähnlich wie beim Autokauf kommt es immer auf das gewünschte Modell an, welche Extras gewünscht sind bzw. worauf man verzichten kann.
Meist fehlt einem Kunden aber auch der Bezug zur Materie und der Kostenstruktur die dahintersteckt. Dies spiegelt sich dann in den überraschten Antworten wieder die man nach einer Angebotsabgabe bekommt. Nicht selten hört man dann Aussagen wie: „Das ist aber teuer“ oder auch „So viel möchte ich auch mal für die kurze Zeit verdienen.“

Wie berechnet sich der Preis?

Dies möchte ich hiermit gern mal aufzeigen. Denn nicht nur die reine Auftrittszeit ist Arbeitszeit. Auch die Zeit vor und nach einer Veranstaltung sind Arbeitszeiten die sich dann wie folgt zusammensetzen können:

• Mindestens ein beratendes Vorgespräch von ca. 1 Stunde
• Vorbereitung/Planung für Ihr Event: ca. 1-2 Stunden
• Verladen des benötigten Materials: 1-2 Stunden, je nach Materialaufwand
• Die Anfahrt zu Ihrer Feier: ca. 1 -2 Std., vorausgesetzt man arbeitet regional
• Der Aufbau der Technik inkl. Soundcheck und Funktionskontrolle: ca. 2 Stunden
• Die eigentliche Einsatzzeit auf Ihrem Event: durchschnittlich 5 Stunden
• Abbau der Technik: ca. 2 Std
• Heimreise von Ihrer Feier: ca. 1 -2 Stunden
• Ausladen zu Hause, sowie die Einlagerung: 1-2 Stunden

Das macht unterm Strich im Idealfall mindestens 15 Stunden reine Arbeitszeit die mit in die Kalkulation fließen muss.

Weitere Kosten (Betriebskosten) die sich nicht direkt in einer Stundenzahl erfassen lassen aber dennoch ebenfalls zur Preisgestaltung unablässig sind:

• Modernisierung und Erweiterung der Technik
• Lagerhaltungskosten (Halle, Garage etc.)
• Transportmittel (PKW/Anhänger etc.)
• Pflege und Wartung des Equipments
• Versicherung der Ton- und Lichtanlage
• Betriebshaftpflicht-Versicherung
• Fortbildungen/Seminare
• Anschaffung der Garderobe, Requisiten, Noten, Tonträger etc.
• Probezeiten/Entwicklungszeiten für neue Stücke/Shows
• Werbemittel (Flyer, Visitenkarte, Internet-Präsenz)

Hinzu kommen dann noch die Abzüge für Steuern, Sozialversicherung etc., denn auch diese Beträge reduzieren letztendlich das was zum Schluss im Portemonnaie bleibt. Unabhängig davon ob der Künstler selbständig oder es nur nebenberuflich macht, so muss er für seine Tätigkeiten je nach Jahresumsatz bzw. Gewinn hierfür auch die entsprechenden Steuern entrichten. Je nach Steuerklasse kann man grob 50% des Bruttobetrags als steuerliche Abgaben direkt abziehen.

Was kostet die Technik bzw. das Equipment?

Geld. Egal für welche Ausstattung man sich entscheidet. Alles hat einen gewissen Anschaffungspreis. Kalkuliere ich die Abnutzung nicht im Vornherein mit ein, so habe ich im Falle einer anstehenden Neuanschaffung kein Kapital zur Verfügung.
Wer von uns hat nicht schon die Erfahrung gemacht das sich ein Gerät nach Ablauf der Garantiezeit in Misson-Impossible-Manier selbst zerstört? Gut, ggf. hält es auch länger, meist aber auch nur, weil die Nutzungsdauer während der Garantiezeit geringer war als vorgesehen. Es ist also unabdingbar für eine gesunde Kalkulation zu sorgen, sodass man im Ernstfall genug Kapital für den Geräte-Austausch zur Verfügung hat. Was wiederum bedeutet, dass sich das Gerät im zeitlichen Fenster seiner Haltbarkeit zumindest selbst gegenfinanziert haben sollte. Während eines Praktikums bei einer Verleihfirma hat mir der Chef mal seine Kalkulation erklärt. Im groben ist es so, dass sich das Gerät spätestens nach 20 Vermietungen gegenfinanziert haben sollte um danach Gewinne einzustreichen. Überträgt man dies auf seine Gagenkalkulation so sollte man etwa 1/20 des Anschaffungspreises in der Gage für den technischen Aufwand berücksichtigen. Man kann alternativ aber auch ohne „Gewinnerzielungsabsicht“ auf reine Kostendeckung kalkulieren. Hier würde dann grob folgende Regel gelten: Anschaffungspreis geteilt durch Anzahl der Einsätze während der Garantiezeit = Technischer Aufwand der anteilig in der Gage berücksichtigt werden sollte.

Wer also gesund kalkuliert kann seine Leistung somit gar nicht erst unter Wert anbieten.

Was wäre denn die finanzielle Schmerzgrenze?

Nun, hierbei sei erstmal erwähnt das wir in Deutschland einen Mindestlohn haben. Selbst der ungelernte Buletten Bräter im Fast-Food-Restaurant bekommt Diesen. Ein fachlich ausgebildeter und erfahrener Künstler wird sich daher sicher nicht für Gleiches oder weniger auf eine Bühne stellen. Denn egal was er anbietet, er wird sich niemals zu einem Preis anbieten für den sich nicht einmal das Aufstehen lohnen würde. Auch will keiner von uns noch Geld zu einer Veranstaltung mitbringen, dafür das er dort auftreten „darf“.

Wie kalkuliere ich als Künstler/Musiker meine Gage?

Damit deine Kunst zumindest kostendeckend jedes Jahr ist:
1. Analysiere zuerst deine Kostenstruktur. Welche Ausgaben habe ich im laufenden Jahr um das was ich auf der Bühne mache, auch machen zu können?
2. Wie viele Jobs werde ich pro Jahr machen? Die Jobdichte ist wichtig für die Kalkulation pro Veranstaltung um die o.g. Kosten aufzufangen.

Auch hierfür möchte ich mal eine kleine fiktive Beispielkalkulation anbringen. Ich gehe davon aus das ich jeden 2. Samstag unterwegs sein will. An den anderen Samstagen kann ich nicht, weil ich da mit Frau und Kindern im Urlaub bin, oder auch mal am Wochenende für meinen Chef unterwegs bin. Montags bis freitags habe ich meinen Hauptjob und bin daher eh unabkömmlich. Sonntags möchte ich gern ausschlafen, damit ich am Montag wieder für meinen Chef fit bin. Verdienen möchte ich etwas mehr als den Mindestlohn ( 9,- €) weil ich ja genügsam bin. Auch reduziere ich die Betriebskosten auf das Nötigste. Ferner lasse die Mehrwertsteuer sowie steuerliche Abschreibungen ect. hierbei mal ganz außen vor, da dies wiederum dann zu facettenreich werden würde.

Laufende Betriebskosten als Hobbykünstler pro Jahr:

12x 50 € für Garage (Lager) 600,- € (eine Garage darf übrigens nicht als Lager genutzt werden)
12x 90 € Finanzierung Auto 1080,- € (kleiner asiatischer Kombi reicht mir)
Neuanschaffungen 2000,- €
Versicherungen 200,- € (Betriebshaftpflicht etc.)
Werbung/Druckkosten 150,- € (2000 Flyer und Visitenkarten)
Gesamt: 4030,- €

Anzahl geplanter Auftritte: 30 Auftritte

Kosten pro Veranstaltung:
Sprit, Auto-Verschleiß: 100,00 €
15 Std. Arbeitszeit (9 € p. Std.) 135,00 €

Grundgage pro Auftritt = Gesamtkosten geteilt durch Anzahl der Jobs = 369,33 €

Damit ich das hinterher auch übrig habe, sollte ich bedenken das die steuerlichen Abzüge hiervon noch abgehen würden. Somit sollte die Gage also entsprechend höher angesetzt werden. Steigt die Kostenstruktur, steigt somit auch zwangsläufig die Gage. Bin ich selbst fachlich auf einem höheren Level, steigt auch der Stundensatz. Was bekommt der hiesige Handwerker als Bruttostundenlohn? Bei mir war es damals nach meiner Ausbildung ein Facharbeiter-Einstiegslohn von 37,50 DM, umgerechnet also etwa 18 € p. Std., und das als Berufsanfänger.

Wenn also euer DJ „nur“ 300,- € pauschal für den Abend haben will, sollten spätestens jetzt bei euch alle Alarmglocken klingeln. Dies ist nur durch mangelnde Qualität oder durch Umgehung der steuerlichen Pflichten möglich.

Qualität hat ihren Preis – isso!

Es gibt viele vergleichsweise professionelle Kollegen die nicht selten 1000,- € und mehr pro Abend nehmen. Im Gegensatz dazu gibt es dann noch die „Billig-Anbieter“, welche ihre Dienste eine Ecke billiger anbieten. Der Service, die Kompetenz, Zuverlässigkeit und Qualität spiegeln sich hier deutlich im Preis wieder. Oft ist hier die Party zu Ende bevor sie überhaupt losging.

 

Eine Diskussion die in diesem Rahmen auch immer gern gestellt wird:

„Warum kostet Künstler A mehr als Künstler B, und warum kann Künstler C das alles noch unterbieten, obwohl es sich um die gleiche Darbietung handelt?“

Hier spielt unter anderem auch die freie Marktwirtschaft, das Gesamtpaket und auch der Blick ins Kleingedruckte eine wichtige Rolle.
Gehen wir mal von folgendem Beispiel aus:

3 verschiedene Bands bieten sich als Tanzband mit einer 5-Stündige Spielzeit für eine Hochzeit an. Alle 3 Bands bestehen aus einer Trio-Besetzung und haben dennoch unterschiedliche Preisvorstellungen. Während die erste Band eine Gage von etwa 1500 haben möchte, spielt die zweite Band schon für 1000,- €. Hingegen die 3. Band eine Gage von 2000,- € aufruft. (Anmerkung: Die Zahlen dienen nur zur Veranschaulichung und sind nicht unbedingt repräsentativ)

Wie kommt es also zu den Preisunterschieden?

Nicht jede Band ist Mehrwertsteuer pflichtig (Kleinunternehmerregelung). Dadurch „reduziert“ sich die Gage um die hierbei nicht zu berechnende Mehrwertsteuer. Dem Geschäftskunden ist dies egal, denn er kann die ausgegebene Mehrwertsteuer wieder geltend machen (Vorsteuer-Abzug), hingegen der Privatkunde keinen steuerlichen Vorteil davon hat.
Ferner spielt es eine Rolle ob die Band hauptberuflich oder nur als Hobby/Nebenerwerb tätig ist. Die Kostenstruktur bei selbständigen Musikern ist, wie oben bereits beschrieben, eine höhere als bei Hobbymusikern.

Dann bleibt da noch die Frage nach dem mitgebrachten Equipment. Hier ist dies für den Laien nicht immer ersichtlich welche Unterschiede es dabei gibt. Wenn die Band eine 2000Watt Tonanlage mitbringt, sagt dies noch nichts über die Qualität bzw. den damit verbundenen Anschaffungskosten für eben diese Anlage aus. Kaufe ich eine preiswerte und somit auch qualitativ schlechtere Anlage, kann ich dadurch bedingt auch meine Nebenkosten senken und meine Leistungen günstiger anbieten. Mitunter kann es dann aber auch mal zu schnelleren Material-Ausfällen, im schlimmsten Fall während der Veranstaltung, kommen.

Fazit: Auch, wenn alle 3 Bands die gleiche Leistung (Musik zum Tanzen) anbieten, so ergibt sich beim „Drumherum“ automatisch eine andere Kostenstruktur und auch ein anderer Preis.

Wie erkenne ich als Laie denn nun den Unterschied?

Das ist mitunter nicht immer einfach. Viele Hobby-Künstler geben gern viel für ihr eigenes Equipment aus, weil sie mit Herz und Seele ihr Hobby betreiben. Dennoch fließt dies nicht mit in ihre Preiskalkulation, weil man macht das Ganze ja als Hobby und freut sich über einen kleinen Nebenverdienst. Es gibt aber auch sogenannte „Profis“ die ihr günstiges Equipment teuer anbieten.

Woran erkenne ich denn den guten Künstler?

Das Zauberwort heißt Beständigkeit. Am einfachsten lässt sich ein „guter“ Künstler an seiner Beständigkeit auf dem Markt ausmachen. Wer seit Jahren immer wieder auch die GLEICHEN Kunden betreut, ist definitiv die richtige Wahl. Denn wer würde schon den Künstler erneut buchen, wenn dieser seine Leistung schon beim ersten Mal nicht zur vollen Zufriedenheit erbracht hat?

Welcher Künstler ist denn der Richtige für mich?

Hierbei bilden der Inhalt und die Veranstaltungsart eine wichtige Symbiose. Eine gute Show kann mitunter auf der falschen Veranstaltung dennoch untergehen. Bei einzelnen Showacts ist die Platzierung innerhalb einer Programmfolge wichtig. Es macht wenig Sinn 2 Wortbeiträge hintereinander zu platzieren. Anspruchsvolle Unterhaltung und stark alkoholisierte Gäste passen ebenfalls nicht wirklich gut zusammen. Daher sollte auch die Zielgruppe klar sein. Ein Künstler der sich inhaltlich eher an die „Best-Ager“ und Kreuzfahrt-Gäste orientiert ist vermutlich eher nichts für den nächsten ABI-Ball. Wenn diese Faktoren außer Acht gelassen werden kann selbst die beste Show mitunter floppen.

Ich könnte dies noch unentwegt fortsetzen. Wer fair kalkuliert und Qualität abliefert, der kann auch eine gerechte Bezahlung verlangen. Verkauft euch nicht unter Wert. Und vor allem: Seht zu das ihr am Ende nicht draufzahlt.

Euer
Marcus

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