Geiz ist Geil – Alles darf Kosten nur die Unterhaltung nicht

Was hat gute Unterhaltung mit BoFrost zu tun?
Neulich bekam ich eine Anfrage für eine Hochzeitsfeier rein. Wie fast immer wollte das Brautpaar alles und gern noch etwas mehr. Also erstellte ich ein Angebot nach ihren Vorgaben mit Deko-Beleuchtung für innen und außen, Sängerin für die kirchliche Trauung und Showprogramm sowie 6-Mann-Band für die abendliche Feier. Nachdem ein paar Tage vergangen waren und ich keine Reaktion auf da Angebot erhalten habe, fasste ich nochmal nach, ob mein Angebot angekommen sei, noch Fragen offen wären oder ob ich den Termin fest verbuchen soll. Als Antwort bekam ich nur ein kurzes: Wir haben uns für einen DJ entschieden, der war billiger. Also antwortete ich dem Brautpaar freundlich, dass es ich es sehr schade finde, dass wir nicht zusammen kämen und gab ihnen noch den Tipp mit auf dem Weg das 120-Personen-Buffet lieber auch gleich bei BoFrost zu ordern, weil‘s da ja billiger sei.
Sicher gibt es kein Zweifel daran, dass ein guter Hochzeits-DJ auch einen hervorragenden Job macht. Was ich aber dann nicht verstehe ist das engstirnige Denken der Kunden die meinen, dass eine 6-Mann-Band auch nur im Ansatz so günstig sein kann wie ein DJ. Es gibt natürlich Qualitätsunterschiede die auch einen entsprechenden Preisunterschied rechtfertigen. Aber den DJ preislich mit einer 6-Mann-Band gleichzusetzen ist irgendwie dann doch das Äpfel-Birnen-Prinzip.

Auch scheint es bei vielen Anfragen die über das Internet reinkommen, insbesondere über diese sogenannten Künstler-Portale, sich letztendlich alle nur für den „billigen Jakob“ zu entscheiden. In den meisten Fällen erhält man nicht einmal eine Rückantwort, wenn man den Kunden eine Angebots-Mail verfasst hat.

Was darf gute Unterhaltung also heutzutage noch kosten?
In den Augen vieler Kunden besser nix. Weil ist ja eine brotlose Kunst und wird doch eh nur als Hobby angesehen bzw. betrieben. So scheint mir das Denken einer Vielzahl der anfragenden Kunden zu sein. Man sieht es ja auch in den Reaktionen vieler Mitmenschen, wenn man denen auf die Frage, was man denn beruflich mache, antwortet: Musiker/Künstler. Fast immer bekomme ich zur Antwort: “ Kann man davon leben?“ – Jaa, verdammt, man kann … wenn man seinen Job gut macht und sich fair entlohnen lässt.
Und genau da liegt mal wieder der Hase im Pfeffer: Während das Brautpaar fast wie selbstverständlich tausende von Euros für Trauringe, ein Kleid das nur 1 Tag getragen wird, großes Schlemmerbuffet etc. ausgibt, scheint es bei der Frage nach der guten Unterhaltung eher nur noch darum zu gehen was denn noch an Rest-Budget vorhanden ist und was man dann dafür bekommt.
Dabei ist die gute Unterhaltung auf einer Feier mindestens genauso wichtig wie Essen und Trinken. Sicher hat man auch mal Glück und bekommt einen preiswerten DJ. Aber wenn man als (Rest-) Budget nur 200,- € zur Verfügung hat wage ich mal zu bezweifeln, dass der dann anreisende DJ-Kollege auch nur ansatzweise den Leistungsanforderungen gerecht wird, wenn er es denn einigermaßen seriös betreibt.

 

Hobby oder Beruf?
Eine Kontroverse die schon für viel Diskussionsbedarf in der Vergangenheit gesorgt hat. Der Hobbykünstler/Musiker/DJ hat verständlicherweise eine komplett andere wirtschaftliche Situation als derjenige der es hauptberuflich betreibt. Ich möchte hier jetzt nicht näher ins Detail gehen, aber ich denke das dies jedem klar sein sollte.
Der große Unterschied zwischen Hobby- & Berufsakteur ist die Zeit. Während der Hobbymusiker in der Woche seinem eigentlichen Job nachgeht, steht dem Selbständigen hier diese Zeit für Proben, Akquise, Instandhaltung etc. zusätzlich zur Verfügung. Zeit die letztendlich genauso mit entlohnt werden muss wie die zusätzlich zu tragenden Lohn-Nebenkosten, die bei dem Hobby-Kollegen durch den Hauptjob gedeckelt sind.
Das es dadurch sowohl zu qualitativen als auch preislichen Unterschieden kommen wird, sollte allen spätestens jetzt klar sein.
Daher sollte man nicht nur auf den Preis schauen, sondern auch darauf was man für sein Geld tatsächlich geboten bekommt.

 

Der Hochzeits-DJ der „besonderen Art“

Der mir bekannteste Extremfall der mir so zugetragen wurde war eine Hochzeitsfeier, die wahrhaftig zu einem unvergesslichen Tag wurde, aber im negativen Sinne:

Der gebuchte DJ kam nicht nur zu spät, er hatte auch letztendlich nur einen alten billigen Medion-Laptop, 2 HIFI-Lautsprecher mit immerhin passendem Verstärker aber kein Mikro mit. Somit fiel die Begrüßungsrede des Brautpaares, die Rede des Brautvaters sowie die Zwischenmoderation des DJs komplett aus. Letzteres war wohl auch besser so.

Die Musikauswahl war nachweislich komplett aus illegalen Datenbeständen aus dem Internet (Der Dateiname verkündete sowas wie cannapower und boerse etc. in der Endung). Hinzu kam noch, dass er die Lautstärke- und Qualitätsunterschiede der Dateien auf Grund des fehlenden Mischpultes im Mediaplayer nicht kontrollieren geschweige denn anpassen konnte.

Wohl gefrustet von seiner eigenen Unfähigkeit war der DJ nicht nur dann der erste am Buffet, sondern auch fast komplett an der Theke zu finden, wo er sich ein „Herrengedeck“ nach dem anderen schmecken ließ.

Der Laptop spielte meistens die Playliste herunter. Meistens deswegen, weil ab und an stürzte das alte Schätzchen mit dem Windows XP auch mal komplett ab. Dann war halt mal 5-10 min bis zum Neustart eben gar keine Musik zu hören, denn Ersatz-Player, IPod o.ä. hatte der Kollege ja nicht. (Anm.: Wovon hätte er sich das auch leisten sollen?)

Auf Musikwünsche eingehen war nicht, denn die 20000 illegalen Dateien waren ja nicht so wirklich sortiert (alle in einem Ordner) und für die Suche müsste man ja dann auch den richtigen Titelnamen wissen und auch hoffen, dass die Datei richtig benannt ist.

Der „Kollege“ wurde dann auch nach einiger Zeit höflich aber bestimmend vom Bräutigam und dessen Vater des Saales verwiesen. Eine „Gage“ hat man ihm nicht gezahlt. Aber da er eh nur 150,- € für den Abend haben wollte, wird er es sicher verschmerzt haben, insbesondre da Speisen und Getränke, die er in der Zeit zu sich nahm sicher den gleichen Gegenwert hatten.

 

Abschließend mein Fazit:
Wer billig kauft, kauft zweimal.
Sehr schön wird dieses auch in dem Ruskinschen Preisgesetz deutlich:

Es gibt kaum etwas auf der Welt, was nicht irgendjemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug, zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen.

Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand – die Leistung – die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.

Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Und wenn Sie das tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.

(John Ruskin)

Sicher habt ihr auch schon mal selbst die Erfahrung gemacht das das niedrigpreis Gerät nicht so lange gehalten hat wie das danach gekaufte teurere Modell?

Oder man erfreut sich noch heute über ein Gerät das man schon seit 20 Jahren besitzt und es immer noch funktioniert, weil man damals ein qualitatives hochwertiges Exemplar gewählt hat?

Ähnlich verhält es sich mit guter Unterhaltung. Sie funktioniert und man redet noch nach Jahren über den schönen Abend.

 

In diesem Sinne
Augen auf beim Booking
Euer Marcus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.